Spieluhren mit Lochkarten Ein kleines Instrument mit großer Geschichte |
Im 18. und frühen 19. Jahrhundert versuchten die Besitzer französischer Textilfabriken, weitere Arbeitskräfte einzusparen, und ließen ihre mechanischen Webstühle mit einer neuen, programmierfähigen Technik ausstatten. Als Medium der binären Speicherung dienten erst perforierte Papierstreifen, später Lochkarten. Über die Entwicklung lochkartengesteuerter Rechenmaschinen und deren Elektrifizierung führte der Weg in unsere digitale Computerwelt. Im Vergleich zu heutigen Rechnerleistungen waren die Lochkarten nicht viel wert, aber sie haben den Charme des Beginns. Und sie haben funktioniert. |
Als letzte prominente Nachkommen dieser digitalen Ahnen verschwanden in den letzten Jahren die Telex-Lochstreifen aus der Bürokommunikation. Und selbst die Stanzkarten des US-amerikanischen Wahlsystems sind mit der Wahl 2000 in Verruf geraten. Nur die Spieluhren haben sie noch, die Programmierung ohne Elektronik, mit all ihren materiellen Gegebenheiten, mit der grafischen Sichtbarmachung der Musik und der unberechenbaren Materialanfälligkeit des papiernen Speicherträgers. |
Um 1900 hatte jeder bessere bürgerliche Haushalt ein Symphonion, ein Orchestrion oder sonst ein schrankgroßes oder auch nähkästchenkleines Gerät binärer Musikcodierung im Salon stehen, betrieben meist mit gestanzten Metallplatten. Und auf den Bühnen standen die Player Pianos mit ihren großformatigen Lochkarten zum Spielen, aber auch zum Speichern bereit. Mit dem Siegeszug des Phonographen und der Schallplatte, also analoger Techniken, hatte diese Herrlichkeit ein Ende. |
Mit den Computern und der CD kam das digitale Prinzip zurück in die Musik. An den zarten Beginn aber erinnert die Spieluhr mit ihren Lochkarten. Auch hier gilt: Im Vergleich zu heutigen Rechnerleistungen sind sie nicht viel wert, aber sie haben Bühnencharme. Und sie klingen. |