Zum Format „Ausstellungskommentar“

Ein Ausstellungskommentar ist eine der schönsten künstlerischen Inszenierungsformen. Es bedeutet, auf die Suche zu gehen. Wir stehen inmitten der Lithographien des 1896 gegründeten Karlsruher Künstlerbundes und haben erstmal nichts in der Hand, keinen Text, keine Musik, nur Fragen.

Lithographie – wie funktioniert das denn rein technisch gesehen? Steindruck? Aha. Vielleicht Steingedichte suchen? Wenig Erfolg versprechend. Vielleicht ein Wortspiel mit den Rolling Stones? Besser nicht. Wie kommt denn die Zeichnung auf den Stein? Die Zeichnung stößt Wasser ab und zieht die fettige Farbe an, ist also hydrophob und lipophil – schöne Worte.

Die Produkte – was wird denn da so gedruckt? Anfangs keine Kunst, sondern Buchstaben und – oh, Noten. Alois Senefelder, der Urlithograph, und sein Kompagnon Franz Gleißner druckten Musik, als erstes ihren churpfalzbayrischen Feldmarsch. Den nehmen wir mal, am besten in einer Fassung für Spieluhr. Und die Lieder von Gleißner singen wir gleich dazu.

Sehr viel Natur ist auf den Karlsruher Drucken, Berge, Alpen und Heidekraut. Also brauchen wir Lieder mit Natur und mit Klavier, die meisten eigenkomponiert, aber auch ein Schubert mischt sich darunter. Nationale Erinnerungsorte sind auf den Bildern, na, das passt ja wieder zum Marsch. Und die Farben! Sehr eigene Farben, viel Grün und auch ein exzellentes Rot. Wir erzählen über die Farben, wir haben Gedichte über die Farben, wir haben Lieder über die Farben.

Nun einen Raum schaffen. Die Bilder haben damals zeitgenössische Kunst preiswert in viele Haushalte gebracht – wir bringen den Haushalt zu den Bildern. Die Bilder täuschen Unendlichkeit vor – auch die Inszenierung bekommt einen schönen Fluchtpunkt. Eine Ordnung muss geschaffen werden in der Musik und in den Texten. Nach Alphabet, nach Zufall, nach Intuition oder etwa gar nach Inhalt? Mal sehen. Jedenfalls wird die Inszenierung mit ihren schlagfertigen Liedern, mit den sprachwitzigen Gedichten und mit dem heiteren Charme der Spieluhren für die Lithographien einen passenden Ausstellungskommentar bereit haben.